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In Schleswig-Holstein gibt es deutlich weniger Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner als in Deutschland

21.01.2020 – In unserem Bundesland arbeiten weniger Pflegefachpersonen in Bezug auf die Einwohnerzahl als im Bundesdurchschnitt. Die Nachwuchsförderung rückt somit noch stärker in den Mittelpunkt.

In Schleswig-Holstein arbeiten deutlich weniger Pflegefachkräfte pro Bevölkerung als im Bundesdurchschnitt. Das zeigen aktuelle Zahlen der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Während es in Deutschland laut der aktuellen OECD-Gesundheitsstatistik 12,9 Pflegefachkräfte pro 1.000 Einwohner gibt, sind es in Schleswig-Holstein nur 9,35. Zum Vergleich: Norwegen liegt mit 17,8 Pflegefachkräften pro 1.000 Einwohner an der Spitze der OECD-Statistik (2018), gefolgt von der Schweiz mit 17,2 Pflegenden. Frankreich liegt mit 10,9 im Mittelfeld, Italien mit 6,7 und Spanien mit 5,7 im unteren Drittel. Das Schlusslicht bilden Südafrika und Kolumbien mit 1,3 Pflegenden pro 1.000 Einwohner (1).

Erschwerend kommt hinzu: Die Pflege in Schleswig-Holstein ist überaltert. Knapp 40 Prozent aller Pflegefachpersonen werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig sind mit 24,0 Prozent nur ein knappes Viertel aller Pflegefachpersonen jünger als 35 Jahre. „Wir haben ein ernstes Nachwuchsproblem. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, ist die pflegerische Versorgung in Schleswig-Holstein langfristig massiv gefährdet“, warnt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Schon jetzt würden aufgrund des Personalmangels Betten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen geschlossen und Patienten von ambulanten Pflegediensten abgewiesen.

 Um für die Zukunft ausreichend Pflegefachpersonal vorhalten zu können, fordert Drube ein Maßnahmenpaket aus attraktiven Arbeitsbedingungen, Ausweitung der Ausbildungskapazitäten und Rückgewinnung von Berufsausscheider*innen. Auch die Akquise von Fachpersonal aus dem Ausland könne ein Baustein sein. Besonders entscheidend sei es, die Arbeitsbedingungen von Pflegenden zu verbessern. „Die Gründe für den zunehmenden Fachkräftemangel liegen vor allem in der hohen Arbeitsbelastung der Pflegenden und in der begrenzten Handlungsautonomie. Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll, sinnstiftend, interessant und vielseitig. Wir brauchen aber Arbeitsplätze, an denen Pflegende das auch ausleben können.“ Alle Beteiligten sollten sich bewusst sein: Gute Arbeitsbedingungen sind heute absolut zentral, um Pflegende zu gewinnen und zu halten.

(1)   OECD (2020), Nurses (indicator). doi: 10.1787/283e64de-en (Accessed on 09 January 2020)